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Glaube, Würde und dringender Handlungsbedarf: Warum sich religiöse Führer dem weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit anschließen müssen

20 Februar 2026

Trotz außerordentlicher technologischer Fortschritte sind schätzungsweise 138 Millionen Kinder weiterhin von Kinderarbeit betroffen. Viele arbeiten auf Feldern, in Fabriken und Minen, anstatt in die Schule zu gehen, sich zu Hause in Sicherheit zu befinden oder einfach nur Kind zu sein.

Dies ist nicht nur ein Versagen der Entwicklungspolitik, sondern auch ein moralisches Versagen.

Am Rande der Sechsten Globalen Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation zur Beseitigung der Kinderarbeit in Marrakesch lud das Internationale Dialogzentrum KAICIID gemeinsam mit der Ständigen Vertretung des Königreichs Marokko in Genf und unter der Schirmherrschaft des Königreichs Marokko religiöse Führerinnen und Führer sowie Akteure aus Glaubensgemeinschaften zu einer Konferenz ein, die einem gemeinsamen Grundsatz folgte: Kinderarbeit ist nicht nur ein politisches Thema, sondern eine moralische Verpflichtung.

Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar

In allen abrahamitischen Traditionen, im Islam, im Christentum und im Judentum, darf der Mensch niemals als Mittel zum Zweck behandelt werden. 

Im Islam ist die Bewahrung des Lebens und der Würde ein zentrales Ziel des göttlichen Gesetzes. Der Prophet Mohammed lehrte, dass er gesandt wurde, um den edlen Charakter zu vervollkommnen, und stellte die Ethik in den Mittelpunkt des Glaubens. Das Mekka-Dokument, das von der Islamischen Weltliga vorgelegt und von führenden Gelehrten unterstützt wurde, bekräftigt, dass die Fürsorge für Kinder, ihre Gesundheit, Bildung und moralische Entwicklung eine grundlegende Verantwortung von Familien, Institutionen und Staaten ist. Aus dieser Perspektive betrachtet ist Kinderarbeit nicht nur eine Notlage. Sie ist ein Verstoß gegen ein heiliges Vertrauen.

Christliche Würdenträger haben dieselbe Dringlichkeit zum Ausdruck gebracht, basierend auf der Überzeugung, dass der Schutz der Schwachen ein zentraler Bestandteil des Glaubens ist. Auch das Judentum bekräftigt, dass jedes Kind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde und daher Anspruch auf Rechtschaffenheit und Schutz hat.

Die Botschaft ist eindeutig: Würde ist nicht verhandelbar.

Von Mitgefühl zu kollektiver Verantwortung

Glaubensgemeinschaften gehören oft zu den ersten, die reagieren, wenn Kinder ausgebeutet werden. In vielen Kontexten arbeiten KAICIID Fellows und interreligiöse Partner innerhalb lokaler Gemeinschaften zusammen. Sie beziehen Imame, Rabbiner, Priester und Lehrkräfte ein, um destruktive Normen in Frage zu stellen, Bildung zu fördern und das Bewusstsein für den Schutz von Kindern zu stärken.

Muslimische Gelehrte und Räte bezeichnen Kinderarbeit zunehmend als Verstoß gegen ethische und religiöse Verpflichtungen. Institutionen wie die Islamische Weltliga betonen, dass religiöse Führer nicht nur für die spirituelle Führung, sondern auch für den sozialen Schutz verantwortlich sind. Wenn in Predigten von Würde, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die Rede ist, prägen sie das Handeln der Gemeinschaft.

Katholische Netzwerke wie Talitha Kum, eine globale Initiative gegen Menschenhandel, die in 90 Ländern vertreten ist und von Ordensfrauen geleitet wird, setzen sich seit dem Jahr 1998 kontinuierlich dafür ein, grenzüberschreitenden Menschenhandel zu verhindern, Betroffene zu schützen und systemische Ursachen wie Armut und mangelnden Zugang zu Bildung zu bekämpfen, die Kinder zu Zwangsarbeit zwingen und sie ausbeuten.

Wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des von KAICIID einberufenen Dialogs betonten, reicht Mitgefühl allein jedoch nicht aus. Die Herausforderung besteht darin, von moralischer Besorgnis zu strukturiertem, nachhaltigem Engagement überzugehen.

Die Ursachen bekämpfen

Kinderarbeit kann nicht beseitigt werden, ohne ihre strukturellen Ursachen anzugehen.

Der Klimawandel ist einer davon. Wenn Dürren Ernten zerstören oder Überschwemmungen ganze Bevölkerungsgruppen vertreiben, sind Kinder oft die ersten, die aus der Schule genommen werden und arbeiten müssen. Armut, Umweltzerstörung und schwache Regierungsführung verstärken die Gefährdung und begünstigen Ausbeutung.

Die Rechenschaftspflicht von Unternehmen ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Der „Durban Call to Action“, der auf der vorangegangenen Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verabschiedet wurde, betont, dass Lieferketten nicht zu moralischen Grauzonen werden dürfen. Religiöse Führungspersönlichkeiten verschiedener Traditionen sprechen zunehmend über ethische Finanzwirtschaft, verantwortungsbewusste Investitionen und Wirtschaftsmodelle, die das Wohlergehen von Kindern vor den Profit stellen.

In vielen Kontexten verbinden religiöse Führerinnen und Führer langjährige Ansätze über Fairness und Gerechtigkeit im Handel mit aktuellen Debatten über verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln. Dabei handelt es sich nicht um importierte Ideen. Sie sind in ethischen Prinzipien verwurzelt, die von den Gemeinschaften bereits anerkannt und geschätzt werden.

Die Rolle von KAICIID: vom Dialog zum Handeln

Was diesen Moment so bedeutsam macht, ist nicht nur das, was die religiösen Führer sagen, sondern auch die Art und Weise, wie sie miteinander in Kontakt gekommen sind.

KAICIIDs Rolle als Vermittler trägt dazu bei, den Dialog in praktische Zusammenarbeit umzusetzen. Durch die Schaffung eines Raums, in dem hochrangige religiöse Autoritäten, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger und internationale Organisationen als Gleichberechtigte zusammenkommen können, lassen sich gemeinsame Werte in Ansätze zur Prävention, Verpflichtungen auf kommunaler Ebene und politische Entscheidungen umsetzen.

Wenn religiöse Räte, globale Netzwerke und Akteure an der Basis mit Institutionen wie der ILO zusammenkommen, wird Prävention stärker lokal verankert. Politische Maßnahmen gewinnen an moralischer Legitimität. Gemeinschaften übernehmen Verantwortung.

Interreligiöse Zusammenarbeit ist keine Option. Sie ist eine Notwendigkeit.

Warum die Allianz 8.7 religiöse Führer braucht

Die Allianz 8.7, die globale Partnerschaft zur Beendigung von Zwangsarbeit, moderner Sklaverei und Kinderarbeit, wird durch bedeutungsvolle Zusammenarbeit mit religiösen Akteuren gestärkt. Religiöse Führerinnen und Führer haben Einfluss auf Einstellungen, familiäre Entscheidungen und gesellschaftliche Normen. Sie können sich für die Bildung von Mädchen und Buben einsetzen, Praktiken der Ausbeutung bekämpfen und soziale Solidarität fördern. Sie können auch Forderungen nach fairen Wirtschaftssystemen und verantwortungsvoller Regierungsführung verstärken.

Sie müssen jedoch als strategische Partner einbezogen werden und dürfen nicht nur symbolische Unterstützerinnen und Unterstützer sein.

Der Kampf gegen Kinderarbeit kann nicht allein mit wirtschaftlichen Maßnahmen gewonnen werden. Er erfordert moralische Entschlossenheit, politische Kohärenz und die Mobilisierung der Gemeinschaft.

Das Governance-Modell von KAICIID, das Mitgliedstaaten und religiöse Führer zusammenbringt, zeigt, warum die strukturierte Zusammenarbeit zwischen Glaubensgemeinschaften und politischen Entscheidungsträgern bei der Bewältigung komplexer globaler Herausforderungen so wichtig ist. Eine stärkere Einbindung religiöser Persönlichkeiten in Plattformen wie Allianz 8.7 kann dazu beitragen, gemeinsame ethische Verpflichtungen in konkrete Fortschritte umzuwandeln.

Denn die Würde jedes Kindes ist heilig. Der Schutz dieser Würde ist nicht nur ein politisches Ziel. Er ist eine religiöse Verpflichtung. 

 

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