Botschafter aus Lateinamerika und der Karibik besuchen KAICIID in Lissabon, um dialogorientierte Ansätze für Frieden und sozialen Zusammenhalt zu erörtern
Die Leitungen der diplomatischen Vertretungen der GRULAC sowie die Leitung des Dialogzentrums besprachen am KAICIID-Sitz in Lissabon, wie der interreligiöse und interkulturelle Dialog die Diplomatie bei der Bewältigung von Polarisierung, Ausgrenzung und identitätsbedingten Spannungen in der gesamten Region unterstützen kann.
Botschafterinnen und Botschafter sowie hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Gruppe der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (GRULAC), die bei der Portugiesischen Republik akkreditiert sind, kamen am 20. Mai am Sitz des Internationalen Dialogzentrums – KAICIID zu einem Treffen über transformative Dialogansätze für Frieden und sozialen Zusammenhalt zusammen.
Das jüngste Treffen im Rahmen von KAICIIDs „Ambassadorial Dialogue“-Reihe mit den in Portugal akkreditierten diplomatischen Vertretungen wurde auf Initiative von S.E. Carlos Manuel Gil de Montes Molinari, Botschafter der Republik Peru, einberufen. Es bot dem diplomatischen Korps der GRULAC-Staaten die Gelegenheit, sich direkt mit der Leitung des Dialogzentrums über dessen Auftrag, seine Arbeit in Lateinamerika und der Karibik sowie über Perspektiven der Zusammenarbeit auszutauschen.
Dialog als präventive Diplomatie
Zu Beginn der Sitzung erklärte der amtierende Generalsekretär von KAICIID, Botschafter António de Almeida Ribeiro, den Teilnehmenden, dass das globale Umfeld, das von zunehmender Polarisierung, schwindendem Vertrauen und der wachsenden Instrumentalisierung von Identität geprägt sei, die Zusammenarbeit zwischen Staaten und innerhalb von Gesellschaften auf eine harte Probe stelle.
„Der Dialog ist nicht mehr nur eine Option. Er ist eine Form der präventiven Diplomatie, ein Instrument für soziale Resilienz und zunehmend eine Frage der kollektiven Verantwortung.“
Botschafter António de Almeida Ribeiro, amtierender Generalsekretär von KAICIID
Im Rückblick auf seine mehr als vier Jahrzehnte in der Diplomatie erklärte Botschafter Almeida Ribeiro den GRULAC-Missionsleitungen, dass dauerhafte Zusammenarbeit nicht nur durch formelle Verhandlungen, sondern auch durch beständige zwischenmenschliche Beziehungen und Räume für ehrliche Gespräche entsteht. Religion und Diplomatie seien zwar unterschiedlich, sagte er, hätten aber beide die Fähigkeit, Gemeinschaften für das Gemeinwohl zu mobilisieren.
Wachsendes Engagement in Lateinamerika und der Karibik
Lateinamerika und die Karibik sind zu einem wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit von KAICIID geworden. Nach großen, gemeinsam organisierten Veranstaltungen in Chile und Costa Rica im Jahr 2025 hat KAICIID damit begonnen, strukturierte, langfristige Dialogprozesse in der Region zu unterstützen, die indigene Führungskräfte, religiöse Akteure, politische Entscheidungsträger:innen und die Zivilgesellschaft zusammenbringen.
Das Regionalprogramm des Dialogzentrums für das Jahr 2026 legt besonderes Augenmerk auf das Thema soziale Polarisierung, die Einbeziehung indigener und afro-stämmiger Gemeinschaften, deren spirituelle Traditionen oft vom formellen politischen Dialog ausgeschlossen sind, die Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie die Zunahme von Hassrede. Die Umsetzung erfolgt durch Partnerschaften mit der Organisation der Iberoamerikanischen Staaten (OEI), der Universität für Frieden, Religions for Peace, Arigatou International und IPDAL sowie durch das aktive Engagement von KAICIID Fellows, die als lokale Ansprechpartnerinnen und -partner fungieren.
„Nachhaltiger Frieden kann nicht allein durch Abkommen zwischen Staaten geschaffen werden. Er muss auch in Vertrauen innerhalb der Gesellschaften verwurzelt sein.“
Botschafter António de Almeida Ribeiro, amtierender Generalsekretär von KAICIID
Vom Dialog zur praktischen Zusammenarbeit
Im Anschluss an die Vorstellung der KAICIID-Programme tauschten sich die GRULAC-Botschafterinnen und -Botschafter mit den KAICIID-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern darüber aus, wie dialogorientierte Ansätze die diplomatischen Bemühungen in regionenübergreifenden Fragen ergänzen können. Dazu zählen identitätsbedingte Spannungen, sozialer Zusammenhalt, der Schutz des religiösen und kulturellen Pluralismus sowie der Dialog zum Thema Klima.
Im Namen der GRULAC-Botschaften würdigte S.E. Botschafter Carlos Manuel Gil de Montes Molinari KAICIIDs Arbeit und die kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung mit der Organisation der Iberoamerikanischen Staaten. Er verwies auf die Initiativen des Zentrums in Chile und Costa Rica als solide Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Er merkte an, dass Lateinamerika und die Karibik, eine Region, die lange Zeit von zwischenstaatlichen Kriegen verschont geblieben war, mit einem hohen Maß an Gewalt und zunehmender Hassrede konfrontiert sei, was Friedenserziehung und Dialog umso dringlicher mache.
„Wir haben wichtige Initiativen in Chile und Costa Rica gesehen, was sehr lobenswert ist. Sie können bei diesen gemeinsamen Bemühungen auf unsere Botschaften zählen.“
Botschafter Carlos Manuel Gil de Montes Molinari, Botschafter der Republik Peru
Zum Abschluss der Veranstaltung erklärte Botschafter Almeida Ribeiro, die heutige Diskussion habe die unverzichtbare Rolle der Diplomatie erneut bestätigt und die Teilnehmenden daran erinnert, dass Diplomatie am wirksamsten ist, wenn sie durch sozialen Zusammenhalt, glaubwürdige lokale Partnerschaften und integrative Führung gestützt wird.
Die Beziehungen zu Portugal und der Region stärken
Die heutige Zusammenkunft baut auf der kürzlich unterzeichneten Absichtserklärung zwischen KAICIID und der Organisation der Iberoamerikanischen Staaten (OEI) auf, die einen Rahmen für die gemeinsame Arbeit in den Bereichen Dialog, Bildung und Jugendengagement im gesamten iberoamerikanischen Raum darstellt.
Botschafter Almeida Ribeiro wies zudem darauf hin, dass Portugal offiziell eingeladen worden sei, KAICIIDs Rat der Vertragsparteien, einem der Leitungsgremien des Dialogzentrums, beizutreten, und begrüßte das konstruktive Engagement der portugiesischen Regierung in diesem laufenden Prozess.
KAICIID bekundete seine Bereitschaft, weiterhin bilateral und multilateral mit den GRULAC-Vertretungen zusammenzuarbeiten, um praktische Wege der Kooperation zu finden, darunter Dialogplattformen, präventives Engagement, Kompetenzaufbau und Wissensaustausch, die die Resilienz und das friedliche Zusammenleben in Lateinamerika und der Karibik stärken.
