Was passiert, wenn sich ein Theologe aus der Ukraine, ein Friedensstifter aus dem Südsudan, eine Pfadfinderin aus Bangladesch und ein KI-Entwickler aus Myanmar zusammensetzen, um über künstliche Intelligenz zu sprechen? Dann entsteht eine Art von Gespräch, wie es selten vorkommt – und genau solche Gespräche möchte KAICIID gezielt ermöglichen.
Am 7. Mai 2026 veranstaltet das Internationale Dialogzentrum KAICIID über seine E-Learning-Abteilung einen Live-Online-Dialog mit dem Titel „Digital Bridges, Not Divides: Ethics, Empathy and AI“, der jugendliche Führungskräfte, Glaubensvertreter und renommierte Denker aus aller Welt zusammenbringt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht eine immer dringlicher werdende Frage: Wer prägt die Werte, die unsere digitale Zukunft bestimmen?
Das Webinar ist Teil der „NextGen TALKS“-Reihe von KAICIID, die Raum für den generationsübergreifenden Austausch zu Themen an der Schnittstelle von Dialog, Identität und globalem Wandel schafft. Kurz nach dem Internationalen Tag der Mädchen in der IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) der Vereinten Nationen, der am 23. April begangen wurde, bietet die Diskussion eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie junge Menschen, insbesondere Mädchen und junge Frauen, dazu beitragen können, eine ethische und inklusivere digitale Zukunft mitzugestalten.
Die künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant. In vielen Fällen entwickelt sie sich schneller als die ethischen Rahmenbedingungen, die zu ihrer Regulierung geschaffen wurden.
Für junge Menschen auf der ganzen Welt sind digitale Plattformen und künstliche Intelligenz keine abstrakten politischen Fragen. Sie prägen, wie junge Menschen lernen, wie sie miteinander umgehen und wie sie sich selbst verstehen. Doch die Diskussionen, die darüber entscheiden, wie diese Technologien gestaltet, eingesetzt und reguliert werden, finden allzu oft ohne die sinnvolle Beteiligung junger Menschen statt, insbesondere jener aus dem Globalen Süden und aus Glaubensgemeinschaften.
Die Position von KAICIID ist klar: Diese Abwesenheit ist ein Problem, und der Dialog ist Teil der Lösung.
Das Webinar „Digital Bridges, Not Divides“ stützt sich auf zwei wichtige Rahmenwerke der Vereinten Nationen, die im Rahmen des „Paktes für die Zukunft 2024“ verabschiedet wurden: den „Global Digital Compact“, der eine offene, inklusive und menschenzentrierte digitale Zukunft fordert, die auf den universellen Menschenrechten basiert, und die „Erklärung zu künftigen Generationen“, in der bekräftigt wird, dass heutige Entscheidungen die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht beeinträchtigen dürfen. Die Sitzung wird sich auch mit dem Römischen Aufruf für KI-Ethik befassen, einem Dokument der Päpstlichen Akademie für das Leben aus dem Jahr 2020, das eine gemeinsame Verantwortung von Regierungen, Institutionen und dem privaten Sektor fordert, um sicherzustellen, dass der technologische Fortschritt der Menschenwürde dient.
Es handelt sich hierbei nicht nur um politische Texte. Nach dem Verständnis von KAICIID sind sie Einladungen zum interreligiösen und interkulturellen Dialog, damit dieser das tun kann, was er am besten kann: Werte von der Theorie in die Praxis umsetzen.
Das 90-minütige Webinar wird als moderierter Podiumsdialog gestaltet sein, mit Live-Umfragen beim Publikum, einer direkten Fragerunde und einer Vorführung von Harmoniq, einem KI-Tool, das vom Podiumsteilnehmer Harry Myo Lin entwickelt wurde. Das Tool untersucht, wie künstliche Intelligenz so gestaltet werden kann, dass Ethik und interkulturelle Empathie im Mittelpunkt stehen.
Die Veranstaltung ist nicht als einmaliges Ereignis konzipiert. Sie bildet den ersten Teil eines zweistufigen Prozesses. Das Webinar wird gemeinsame Erkenntnisse und Überlegungen hervorbringen, die direkt in eine anschließende Konsultationssitzung einfließen, in der die Teilnehmenden gemeinsam praktische, dialogbasierte Grundsätze für ein ethisches und inklusives digitales Engagement erarbeiten werden. Diese Ergebnisse werden in künftige Lernressourcen auf der „Connect2Dialogue“-Plattform von KAICIID einfließen und Fachleute sowie Partnernetzwerke weltweit erreichen.
Die Diskussion bringt Stimmen aus den Bereichen Friedensförderung, Jugendentwicklung, Theologie, Technologie und interreligiöser Dialog zusammen. Zu den Sprecherinnen und Sprechern gehören Lejla Hasandedic, KAICIID Fellow aus Bosnien und Herzegowina, deren Arbeit Psychologie, Traumata und sozialen Zusammenhalt miteinander verbindet; Ruhi Rusaba, KAICIIDs „E-Learning Champion 2025“ aus Bangladesch und Pfadfinderin, die für ihre Arbeit mit Straßenkindern in Dhaka ausgezeichnet wurde; Harry Myo Lin, ein in Myanmar geborener KI-Entwickler mit Wohnsitz in Österreich und Entwickler von Harmoniq; Patrick Godi, ein südsudanesischer Friedensstifter, der im IDove Global Youth Network aktiv ist; sowie Taras Dzyubanskyy, KAICIID Fellow, Theologe und Berater für religiöse Angelegenheiten des Bürgermeisters von Lviv, Ukraine.
Gemeinsam werden sie untersuchen, wie junge Menschen, Vertreterinnen und Vertreter religiöser Gemeinschaften und Technologieexperten dazu beitragen können, digitale Räume zu gestalten, die ethischer, inklusiver und besser auf die Menschenwürde ausgerichtet sind.
Es wäre einfach, die Ethik in der KI als rein technische oder regulatorische Herausforderung darzustellen. Der Ansatz von KAICIID ist ein anderer.
Der interreligiöse und interkulturelle Dialog bietet etwas, was politische Rahmenbedingungen allein nicht leisten können: eine gemeinsame Wertsprache. Begriffe wie Mitgefühl, Verantwortung, Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht werden nicht von KI-Regulierungsgremien erfunden. Sie sind in den moralischen Traditionen verankert, nach denen Milliarden von Menschen leben. Wenn diese Traditionen miteinander und mit den Realitäten des digitalen Lebens in Dialog treten, können sie dazu beitragen, ein reichhaltigeres und tragfähigeres ethisches Fundament zu schaffen.
Das ist die Prämisse hinter „Digital Bridges, Not Divides“. Der Dialog ist nicht nur das Thema. Er ist die Methode.
Das Webinar ist kostenlos und für die Öffentlichkeit zugänglich. Es findet am 7. Mai 2026 um 14:00 Uhr Lissabonner Zeit (UTC+1) über Zoom statt und wird in englischer Sprache abgehalten.
KAICIID richtet sich an Partner, Fellows, Lehrkräfte, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Jugendnetzwerke und Fachleute für Dialogarbeit. Besondere Einladungen gehen zudem an die Teilnehmenden der Konsultationen zur KAICIID-Jugendstrategie.
Weitere Informationen und Anmeldung: [Anmeldelink]
Dieses Webinar wird von KAICIIDs Abteilung für E-Learning organisiert. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die E-Learning-Abteilung unter elearning@kaiciid.org